D i e   S c h w e i z e r   T a b l a - P l a t t f o r m      

 




 


 Home

 Porträt

 Unterricht

 Instrumente

 InfoCenter

 Traditionen

 Sounds

 Glossar

 Feedback
 
 F
AQ
 
                                        

    India Instruments
          2nd hand
  



 


 




 

 

F a r r u k h a b a d - G h a r a n a

 

Geschichte der Farrukhabad-Gharana

© 2002 by Indische Tabla-Schule, Peter Huber

1 .  T e i l

Die Historik der Farrukhabad-Gharana ist von besonderem Interesse, weil dessen Musiker Angehörige des Hofes von Rampur, des führenden Zentrums für nordindische klassische Musik waren.
Der Hof von Rampur archivierte seine grösste Eminenz als Nawab Hamad Ali Khan (1899 – 1930) regierte, der selbst ein Hochgelehrter Musiker und Tabla-Spieler war. Es wird gesagt, dass über hundert Musiker an diesem Hof arbeiteten und von diesen galten über fünfzig zu den bekanntesten und angesehensten Künstlern von Nordindien. Der Hof bekam den Namen als „Zentrum für spezielle Kunst“.

Als Gründer der Farrukhabad Gharana ist Ustad „Haji“ Vilayat Ali Khan von Farrukhabad bekannt, ein Schüler von Miyan Bakshu Khan (alias Miyan Bakshujee) und Modhu Bakshu Khan von Lucknow. In der Historik von Vilayat Ali Khan ist zu entnehmen, dass dieser die Tochter von Miyan Bakshujee heiratete und somit auch das gesamte Erbe der Lucknow-Tradition.

Den Namen „Haji“, was übersetzt; „Heiliger“ bedeutet, wurde ihm wahrscheinlich durch seine Verbundenheit mit Mekka und dessen Pilgerreisen verliehen und muss in diesen Tagen „ein Mann von Welt“ gewesen sein. Haji Saheb, wie man ihn auch nannte, hatte drei Söhne: Nazir Ali Khan, Hussain Ali Khan und Aman Ali Khan. Alle drei wurden Tabla-Spieler; der älteste, Nazir Khan wurde der erste Khalifa, und erst nach dessen Tod folgte Hussain Ali Khan als Khalifa des Farrukhabad-Gharanas.

Als weitere Schüler von Haji Vilayat sind bekannt: Miyan Choudiyawale Imam Baksh und Miyan Salari Khan, beide sollen hochbegabte Schüler mit hervorragenden Qualitäten gewesen sein. Dies wiederum spiegelt sich in ihren Kompositionen wieder, die bis heute als besondere Kostbarkeiten in einem Tabla-Repertoire gelten.

Als Schüler von Nazir Ali Khan (dem älteren Sohn von Haji Saheb) gingen die beiden Ustads Nanne Khan (1863 – 1937) und Munir Khan (1863 – 1938) hervor, wobei Munir Khan auch als Schüler von Hussain Ali Khan (dem jüngeren Sohn von Haji Saheb) bekannt ist.
Von Nanne Khan und seinem Bruder Nissar Ali Modhu Khan weis man, dass diese beiden am Hofe von Rampur unter der Regentschaft von Nawab Hamad Ali Khan dienten.
Beide, Nanne Khan und Munir Khan beanspruchten die Farrukhabad-Tradition als Führer (Khalifa) zu repräsentieren. Nanne Khan erhielt wahrscheinlich den Khalifa-Titel von Nazir Ali Khan, und erst später erhielt Munir Khan den Titel von Hussain Ali Khan zugesprochen..  Nanne Khans Nachfolger wurde schliesslich Masit Khan, welcher ein Neffe von Nissar Ali Modhu war. Masit Khan (1992 – 196?) lebte und arbeitete in Calcutta, wo auch sein Sohn Keramatullah Khan im Jahre 1918 zur Welt kam.
 

Zum Anfang der Seite

2 .   T e i l

Ustad Munir Khan wurde im Jahre 1863 in einer Musikerfamilie im Dorf Laliyana (im Meerut-Gebiet, Uttar Pradesh) geboren. Munir Khan soll erst nach seinem sechzehnten Lebensjahr Interesse am Tabla-Spiel gezeigt haben und den ersten Unterricht von seinem Vater Kale Khan, selbst ein "Tabla Nawaz", erhalten haben. Ustad Boli Buksh aus der Delhi-Gharana, ist als weiterer Lehrer von Munir Khan bekannt, bei diesem er acht bis zehn Jahre Unterricht erhielt. Ustad Boli Buksh war ein aussergewöhnlicher Komponist, seine Kompositionen gelten als besondere Delikatesse unter den Kennern dieser Musik.
Bei Hussain Ali Khan, Khalifa der Farrukhabad-Gharana, erhielt Munir Khan weitere zwölf Jahre Unterricht. Man sagt, Munir Khan habe von nahezu 24 Meistern gelernt und sei der Lieblingsschüler von Ustad Boli Baksh und  Hussain Ali Khan gewesen.

Man sagt: Munir Khan habe von all diesen Meistern das Beste übernommen und erteilte sein gewaltiges Weissenpotenzial vorbehaltlos seiner Schülerschaft weiter. Es wird erzählt: er habe Hunderte von Schüler im ganzen Land angezogen, zudem wurden seine pädagogischen Fähigkeiten des Übermittelns der Tabla-Kunst sehr hoch eingestuft. Ustad Munir Khan galt als nahezu perfekter Künstler. Ustad Munir Khan galt als so sehr vollendet, dass ihm schon während seiner Lebezeit nachgesagt wurde, er sei der Khalifa einer neuen Gharana, diese nannte man Laliyana-Gharana.

Unter seinen Schülern fand man die angesehensten Tabla-Spieler und Ustads des zwanzigsten Jahrhunderts: Amir Hussain Khan, Ahmedjan Thirakwa, Habibuddin Khan von Ajrada, Ghulam Hussain Khan, Nazir Ali Khan von Panipat, Shamsuddin Khan, Hasna Khan, Aulad Hussain Khan usw. Ustad Munir Khan starb im Jahre 1938 im Alter von 75 Jahren. Sein Nachfolger und Khalifa der Farrukhabad und Laliyana-Gharana wurde Ustad Amir Hussain Khan.

 

Ustad Amir Hussain Khan wurde im Jahre 1895 in Bhankhande, im Gebiet von Meerut (Uttar Pradesh) geboren. Sein Vater war der Sarangi-Spieler Ustad Ahmad Baksh. Amir Hussains Mutter, eine Schwester von Munir Khan, die grosse Kenntnisse im Tabla-Spiel besass, erteilte ihrem Sohn den ersten Tabla-Unterricht.

Bald darauf übernahm Munir Khan selbst die weitere Ausbildung des schon früh talentierten Amir Hussain. So kam es, dass Amir Hussain zu seinem Onkel nach Bombay zog und alles übte was Munir Khan ihm beibrachte. So lernte Amir Hussain über viele Jahre, bis zu Munir Khans Tod, wie sein Onkel lebte, unterrichtete, komponierte und konzertierte.

Bis ins hohe Alter verbrachte Amir Hussain Khan selbst seine ganze Zeit mit komponieren neuer Kompositionsformen. Er galt als Komponist mit ausserordentlichen Fähigkeiten und Qualitäten. Schon zu Lebzeiten galt er als einer der grösste Tabla-Komponisten des 20. Jahrhunderts. Seine Kompositionen beinhalten wertvolle Subtilitäten und ausgereifte Spieltechniken und sind eine echte Bereicherung des Farrukhabad-Repertoires. Er popularisierte seine Kompositionen in dem Ausmass, dass heute beinahe an jedem Solo-Tabla-Konzert irgend eine der vielen Kompositionen von ihm gespielt wird.

Wie sein Onkel lebte er in Bombay, wo er ohne jede Vorbehalte und Barrieren der Kaste und des Glaubens lebte und unterrichtete. Ustad Amir Hussain Khan starb am 5. Januar 1969. Sein Sohn Fakir Hussain Khan lebte ebenfalls in Bombay und galt als hervorragender Tabla-Spieler.

 

Ustad Ahmedjan Thirakwa wurde im Jahre 1891 in Muradabad im indischen Staat Uttar Pradesh geboren. Sein Vater, der Sarangi-Spieler Ustad Hussain Baksh, hatte drei Söhne: Miyan Jan Khan, Ahmed Jan Khan und Mohammed Jan Khan. . Ahmed Jans Grossvater, (mütterlicherseits) Baba Kalandar Baksh und der Bruder von Ahmad Jans Vater Ustad Sher Khan galten zu dieser Zeit als angesehene Tabla-Spieler in Muradabad.

Bereits als Kind reiste Ahmed Jan Thirakwa und sein Bruders Miyan Jan nach Bombay, wo die beiden dem berühmten Ustad Munir Khan anvertraut wurden. Über zwei Jahrzehnte dauerte Ahmed Jans Lehrzeit bei Ustad Munir Khan, dieser gab Ahmed Jan den Scherznamen „Thirakwa“, der auf seine übermütige Wesensart als Schüler hinwies und ihm sein Leben lang erhalten blieb. Thirakwa galt als bescheidener Mann, er hatte sich seiner Kunst ganz geöffnet. Niemals erging er sich in Streitgespräche über Musik. Seine Erscheinung auf der Bühne im dunkelseidenen Sherbani-Mantel, mit schwarzsamtener Topi-Kappe, silbernem Krückstock und reich bestickten Pantoffeln war einfach königlich.

Ustad Ahmedjan Thirakwa war als einziger Tabla-Spieler Träger des „Padma-Bhusan“ Ordens, einer Auszeichnung, welche die indische Regierung für aussergewöhnliche kulturelle Leistungen vergibt.
Später diente Ahmedjan Thirakwa nahezu dreissig Jahre unter der Aufsicht des Herrschers Reza Ali Khan am Hofe von Rampur als Hofmusiker.  Seit 1971 war er Lehrer im „National Centre of Performing Arts“, in Bombay. Ustad Ahmedjan Thirakwa starb am 12. Januar 1976 in Lucknow im Alter von 85 Jahren.

 

Pandit Arvind Mulgaonkar wurde am 18. November 1937 in Bombay geboren, während seine Eltern ursprünglich aus Goa stammten. Als 15-jähriger begann er Tabla zu lernen und wurde 1954 Schüler von Ustad Amir Hussain Khan. Durch die enge Freundschaft mit Fakir Hussain, dem Sohn von Amir Hussain Khan, gehörte Mulgaonkar im Laufe der Zeit beinahe zur Familie.

Nach fünfzehn hingebungsvollen Jahren und eifrigem Üben bei seinem hoch verehrten Ustad, verstarb Amir Hussain Khan. Bald darauf folgten zwei Studienjahre bei Ustad Ahmedjan Thirakwa und drei weitere bei Ustad Ata Hussain Khan. Nach über zwanzig Jahren bei den grossen Tabla-Meistern des zwanzigsten Jahrhunderts beendete er sein Studium.

Mulgaonkar galt als einer der Ersten unter den Schülern von Ustad Amir Hussain, der Kompositionen in einer übersichtlichen und brauchbaren Notationsform aufschrieb, obwohl Amir Hussain  dies erst in späteren Jahren erlaubte. Als Autor machte er sich bereits 1969 mit dem Buch „Tabla-i-Bandish“ (Tabla-Kompositionen) einen Namen, da er Kompositionen die als Delikatessen unter den Feinschmeckern dieser Musik galten, veröffentlichte - natürlich mit Einverständnis seines Ustads.

Seit dem Tod von Ustad Amir Hussain Khan ist Mulgaonkar als einer der Hauptorganisatoren der jährlichen „Anniversary for Ustad Amir Hussain Khan“ engagiert. Seit einigen Jahren wird Mulgaonkar öfters den „Pandit-Titel“ (Titel eines Hochgelehrten) für seine „Lecture-Demonstrations“ an Indiens Universitäten und seine brillanten Konzerte zugesprochen.

Heute lebt und unterrichtet Arvind Mulgaonkar in Bombay, wo er längst für sein gewaltiges Wissenspotential bekannt ist. Vorbehaltlos und mit Würde lehrt er – wie einst Ustad Munir Khan und Ustad Amir Hussain Khan, die authentische Kunst des Tabla-Spiels der Farrukhabad-Gharana.

 

Zum Anfang der Seite

 

Stammbaum der Farrukhabad-Gharana



 

Zum Anfang der Seite

 

 
 

 

Home Porträt Unterricht Instrumente InfoCenter Traditionen Sounds Glossar Feedback FAQ


 

Fragen oder Probleme in Zusammenhang mit dieser Website richten Sie bitte an: info@tabla-schule.ch
Copyright © 2002 - 2014  - Indische Tabla-Schule - Schweiz.  Alle Rechte vorbehalten.
Stand: Montag, 02. November 2015.